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Richtiger Siebeinsatz spart Kosten

Qualitätssiebe der Villforth Siebtechnik GmbH – 100% Made in Germany

Die Familie Villforth auf der Projektilwebmaschne Jürgens JP5000

 

Karin und Thomas Villforth mit ihren Kindern Sissi und Lukas an der Hochgeschwindigkeits-Webmaschine JP-5000 der Firma Jürgens. 

Jeder Papiermacher weiß um die Notwendigkeit, die Effizienz in allen Bereichen der Papierproduktion ständig zu optimieren. Das bedeutet Kosten zu sparen, ohne einhergehenden Qualitätsverlust. Im Gespräch mit dem Wochenblatt für Papierfabrikation erklärt der Gesellschafter Thomas Villforth, welchen Beitrag dazu Siebe des Reutlinger Traditionsbetriebs Villforth Siebtechnik leisten können.

WfP: Herr Villforth, bitte stellen Sie uns kurz ihr Unternehmen vor.

Thomas Villforth: Das Unternehmen ist zu 100% in Familienbesitz, inzwischen schon in vierter Generation. Die übersichtliche Größe des Unternehmens ermöglicht schnelle unbürokratische Entscheidungen und damit deren rasche Umsetzungen. Meine Frau Karin und ich bilden die Geschäftsführung der Villforth Siebtechnik GmbH. Wir haben ein starkes Team, welches sich aus Spezialisten der Textil- sowie der Papierbranche zusammensetzt. Unsere Personalplanung erfolgt immer langfristig, und die Fluktuationsrate ist nahe Null. Bei Neubesetzungen werden die Stellen zuerst intern ausgeschrieben und Verwandte und Bekannte der Belegschaft können berücksichtigt werden. Von manchen Familien sind bzw. waren schon mehrere Generationen bei uns beschäftigt – solche Dinge schaffen ein gutes Betriebsklima.

WfP: Wie verlief das Geschäftsjahr 2016 und wie ist ihre Prognose für 2017?

T. Villforth: Das vergangene Jahr endete für uns mit einem neuen Rekordumsatz, worüber wir natürlich sehr glücklich sind. Für einen Großteil dieser Entwicklung hat die 2015 gekaufte, hochmoderne Webmaschine der Firma Jürgens beigetragen. Sie läuft bei uns mit maximaler Auslastung und produziert Siebe unschlagbarer Qualität. Für 2017 haben wir uns wieder sehr hohe Ziele gesetzt. Das Jahr begann für uns mit einem großen Umbau an der Ausspannung. Wir blicken mit Zuversicht in die Zukunft.

Mitarbeiter überwachen die Produktion an der Webmaschine

Mitarbeiter überwachen die Produktion an der Webmaschine.

WfP: Wie unterscheiden sich ihre Produkte von denen ihrer Wettbewerber?

T. Villforth: Alle unsere Produkte werden an unserem Standort in Reutlingen gefertigt. Der Erhalt unseres Standortes ist uns wichtig um weiterhin höchste Qualitätsstandards garantieren zu können. Wir bieten maßgeschneiderte Produkte je nach Kundenwunsch. Im Vergleich zu unseren Wettbewerbern sind wir ein relativ kleines, jedoch sehr flexibles Unternehmen, welches sich auf die Herstellung von hochwertigen Formiersieben spezialisiert hat. Um wettbewerbsfähig zu bleiben sind wir auf ständige Weiter- und Neuentwicklung unserer Produkte angewiesen. Unser Forschungs- und Entwicklungsteam arbeitet im Labor auf Hochtouren. Besonders stolz sind wir derzeit auf ein von uns entwickeltes und vollkommen einzigartiges Verfahren zur Herstellung der Naht von TAD Trocknungssieben. Mit diesem Produkt übertreffen wir im Moment einen Laufzeitrekord nach dem anderen.

Im Interview

Thomas Villforth (*1964) trat 1999 als Geschäftsführender in die Firma ein. 10 Jahre lang leitete er gemeinsam mit seinem Vater die Villforth Siebtechnik GmbH. Bis heute betont er, wie froh er ist, den Erfahrungsschatz seines Vaters vermittelt bekommen zu haben. Mit dem Ableben von Peter Villforth in 2009 wurde Thomas Villforth alleiniger Gesellschafter.

Der geborene Reutlinger ist beruflich in der Papierindustrie beheimatet und absolvierte 1992 den Abschluss zum DiplomIngenieur der Fachrichtung Papieringenieurwesen an der TU Darmstadt. Im Anschluss war er in verantwortlichen Positionen bei der Papierfabrik Haindl (heute UPM) in Augsburg und bei der Papierfabrik Scheufelen in Oberlenningen tätig. Seit 2000 leitet er die Zellcheming Bezirksgruppe BW. Seit 2014 ist er Vorsitzender beim APV Darmstadt.

WfP: Die Energiekosten für die Siebpartie sind vergleichsweise gering, warum lohnt es sich trotzdem einen genaueren Blick darauf zu werfen?

T. Villforth: Auf den ersten Blick scheint die Siebpartie keine große Rolle zu spielen, wenn es ums Energiesparen bei der Papierherstellung geht. Denn ihr direkter Anteil am Energiebedarf liegt nur bei ca. 15%. Doch bei genauerem Hinsehen fällt auf: Die Blattbildung hat großen Einfluss auf die nachfolgende Trocknung – und dieser Vorgang des Trocknens benötigt bis zu 65% des gesamten Energiebedarfs!

Das Sieb wird für das Nahten vorbereitet

Das Sieb wird für das Nahten vorbereitet.

Durch die Optimierung der Siebpartie und einer Steigerung des Trockengehaltes besteht ein enormes Potenzial zur Erhöhung der Energieeffizienz. Für ein optimales Ergebnis ist darauf zu achten, dass die Entwässerungskurve harmonisch verläuft und beispielsweise die Saugkästen entsprechend konfiguriert werden. Beim Erstellen und Auswerten von Entwässerungsverläufen, sowie anderen Optimierungen von Produktionsprozessen in der Siebpartie, helfen unsere Papieringenieure im Serviceteam unseren Kunden.

Nahtmaschinen der neuesten Generation machen die Siebe endlos

Nahtmaschinen der neuesten Generation machen die Siebe endlos.

Jeder einzelne Faden muss sich an der richtigen Stelle befinden.

WfP: Wo sehen Sie weitere Stärken Ihrer Formiersiebe und die damit verbundenen Kostenersparnisse Ihrer Kunden?

T. Villforth: Viele unserer Kunden loben unsere Siebe für deren leichte Reinigung. Das bedeutet zum einen weniger Stillstandszeiten und zum anderen weniger eingesetzte Chemikalien, was große Kostenersparnisse mit sich bringt. Um eine noch leichtere Reinigung der Siebe zu garantieren, erhalten die Formiersiebe auf Kundenwunsch die von uns entwickelte TOPAZ NT-Beschichtung. Sie besteht aus einem niedrigviskosen Mehrkomponenten-Kunstharz und wird auf das ganze Sieb aufgetragen und bei hoher Temperatur aufgesintert. Dabei werden alle Fäden sowie deren Kreuzungspunkte umhüllt, sodass sich im Einsatz weder Schmutz noch Fasern verklemmen können, was insbesondere beim Einsatz von Altpapier von großer Bedeutung ist. Zudem reduziert sich der Energiebedarf durch den leichteren Lauf über den Entwässerungselementen ganz wesentlich. Ein weiteres Argument für die TOPAZNT-Beschichtung ist eine um ca. 30% höhere Dimensionsstabilität in Längs- und Querrichtung. Villforth Siebe stehen für Qualität. Das geht schon beim Einkauf der Fäden aus PET, PA oder dem neuentwickelten VEXTREME-Faden los. Wir kaufen alle PET und PA Fäden aus qualitativ hochwertiger, deutscher Fertigung. Die Rohmaterialien werden ständig auf ihre Qualität kontrolliert, denn nur so können wir für lange Laufzeiten unserer Siebe beim Kunden sorgen.

In der Ausspannung wird die Dimensionsstabilität der Siebe erhöht.

WfP: Was verbirgt sich hinter VEXTREME ?

T. Villforth: Der neuentwickelte VEXTREME-Faden kombiniert die Vorteile von Polyester und Polyamid. Dem Verschleiß an den Sieben wirkt man üblicherweise entgegen, indem man abriebfestes Polyamid (PA) im Wechsel mit Polyester (PET) auf der Laufseite der Siebe verwebt. Nun verhindert Polyamid zwar den Abrieb, doch es absorbiert Wasser
und quillt auf, was zudem hochstehende Siebränder verursacht. Ein weiterer Nachteil: Die Festigkeitswerte von Polyamid sind ungenügend, weswegen ein Sieb aus 100% Polyamidfäden elastisch wie ein Gummiband wäre. Polyester wiederum ist zwar fester und absorbiert auch kein Wasser – jedoch ist die Abriebfestigkeit bei diesem Material geringer. Der neue VEXTREME-Faden ist dimensionsstabil und zugleich abriebfest. So kann er zu 100% auf der Laufseite verwendet werden, wobei er eine monoplane Laufseite bildet. Der VEXTREME Faden reduziert den Reibungsverlust auf ein Minimum – und senkt so die Antriebsleistung durch eine erhöhte Laufruhe.

WfP: Was haben Sie für mittel- und langfristige Unternehmenspläne?

T. Villforth: Wir wollen durch einen Mix aus bewährter Qualität und völlig neu entwickelten Produkten unsere Marktposition stetig ausbauen. Wir haben einige sehr vielversprechende Entwicklungsprojekte, die kurz vor dem Abschluss stehen. Hier ist mein Sohn bereits involviert und erfolgreich. Dabei stehen die Qualität und die Kundenzufriedenheit immer an oberster Stelle. Unsere Unternehmens- und Finanzpolitik ist eher konservativ. Moderates Wachstum und eine hohe Eigenkapitalquote zeichnen sie aus. So ist das Unternehmen für die Zukunft gut gerüstet und kann in die fünfte Generation gehen.

Das Werk der Villforth Siebtechnik GmbH in Reutlingen

Das Werk der Villforth Siebtechnik GmbH in Reutlingen.

WfP: Herr Villforth, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch.

(Dr. Kerstin Graf, 3/2017 Wochenblatt für Papierfabrikation)

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